3D-Illustration eines lila Sterns
3D-Illustration eines lila Sterns
3D-Illustration eines lila Sterns
3D-Illustration eines lila Sterns
3D-Illustration einer Schleife mit quadratischem Muster, wie sie typischerweise in Drag-Outfits genutzt wird
3D-Illustration einer Schleife mit quadratischem Muster, wie sie typischerweise in Drag-Outfits genutzt wird
3D-Illustration einer Schleife mit quadratischem Muster, wie sie typischerweise in Drag-Outfits genutzt wird
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D.R.A.G. Leitlinien für Mindesthonorare und Arbeitsbedingungen

3d-Illustration von 100-Euro-Scheinen
3d-Illustration von 100-Euro-Scheinen
3d-Illustration der 1-Euro-Münze
3d-Illustration der 50-Cent-Münze

Honorare

Die folgenden Empfehlungen beziehen sich auf nicht öffentlich geförderte Drag-Produktionen. Geförderte Produktionen sollten nach den Honoraruntergrenzen des Bundesverbandes Freie Darstellende Künste bezahlt werden. Beide sind als Minimum zu verstehen und Veranstalter*innen, die Drag präsentieren, sollten bereit sein, für erfahrene Künstler*innen höhere Honorare zu zahlen.

Raumkapazität

Für Veranstaltungsorte mit einer Kapazität von bis zu 100 Zuschauenden wird ein Mindesthonorar von 200 € empfohlen. Bei einer Kapazität von mehr als 200 Zuschauenden sollte das Honorar 300 € betragen. Wenn sich die Tickets für eine Veranstaltung mit großer Kapazität besonders gut verkaufen, sollten Veranstalter*innen das Honorar von 300 € entsprechend erhöhen. Für die Moderation einer Show wird ein Mindesthonorar von 350 € empfohlen. Für Firmenveranstaltungen (d.h. Veranstaltungen, die von Unternehmen und nicht von kommunalen Veranstalter*innen organisiert werden) sollte das Mindesthonorar unabhängig von der Kapazität 500 € nicht unterschreiten. Bei Firmenveranstaltungen sollten 50% des Honorars im Voraus bezahlt werden.

Die erste Zahlung deckt die Vorbereitung ab, die zweite die Performance. Drag-Künstler*innen, die neben der Performance auch andere Tätigkeiten übernehmen, sollten auch für diese Arbeit, die sie in die Drag-Szene investieren, entsprechend bezahlt werden. Wir empfehlen daher, mindestens das Äquivalent eines Auftrittshonorars zu zahlen. Wir sind uns bewusst, dass auch die Organisation von Drag-Shows mit viel Arbeit verbunden ist und dass die von uns empfohlenen Honorare in manchen Situationen eine Herausforderung darstellen können. Eine Strategie, um dies zu ermöglichen, könnte darin bestehen, die Anzahl der Performer*innen zu reduzieren und sie zu bitten, eine zusätzliche Show zu machen. Dies würde dazu beitragen, eine Situation zu vermeiden, in der die Performer*innen immer für zu wenig Geld arbeiten.

Honorare für Community-Veranstaltungsorte

Wir sind uns darüber im Klaren, dass kein kleines Unternehmen in der Gemeinde durch Drag reich wird, und in solchen Fällen sind wir bereit, in gegenseitigem Vertrauen mit kleinen Veranstaltungsorten zusammenzuarbeiten, um diese Leitlinien zu verwirklichen. Aus diesem Grund werden wir eine Mindesthonorar von 150€ für kleine Community-Drag-Locations bis Ende Juni 2025 vorschlagen. Ab Juli 2025 empfehlen wir 200€ als Minimum.

Eintrittspreise

Veranstaltungsorte und Veranstalter*innen sollten realistische und nachhaltige Eintrittspreise festlegen, die die tatsächlichen Kosten für die Produktion von Drag-Shows mit den Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten der Community, die diese Shows genießt, in Einklang bringen. Dies sollte mindestens dem gesetzlichen Mindestlohn von 12,41 € pro Stunde entsprechen. Wir sind uns bewusst, dass dies ein schwieriger Balanceakt sein kann, ermutigen aber die Veranstalter*innen, die Auswirkungen unrealistisch niedriger Eintrittspreise auf die gesamte Szene zu bedenken.

Es ist wichtig, dass das Publikum ein Bewusstsein für den Wert der Shows entwickelt, die es genießt. Statt zu niedrige Einheitspreise festzulegen, können "Solidaritätstickets" gekauft werden: Zuschauer*innen, die mehr Geld haben, können so durch den Kauf eines "Freitickets" den Besuch einer Show für andere ermöglichen, die es sich sonst nicht leisten könnten.

Alternativ können gestaffelte Preise eingeführt werden, beginnend mit dem Mindestpreis (12,41 €), um allen Interessierten den Besuch von Drag-Shows zu ermöglichen. Wenn ein Veranstaltungsort eine kostenlose Drag-Show anbieten möchte, ist es wichtig, dass die Performer*innen und das gesamte beteiligte Team aus Eigenmitteln des Veranstaltungsortes bezahlt werden.

Trinkgeld

Grundsätzlich sollten die Honorare für eine Show mit professionellen Performer*innen vom Veranstaltungsort oder durch den Ticketverkauf bezahlt werden. Trinkgelder sollten nicht zur Bezahlung der Honorare der Performer*innen verwendet werden, da dadurch das finanzielle Risiko von den Veranstalter*innen auf die Performer*innen übertragen wird. Ausnahmen können für Shows gemacht werden, bei denen nur Amateur*innen auftreten. Die Erhebung von Eintrittsgeldern oder ein Sponsoring durch den Veranstaltungsort wird jedoch als beste Praxis angesehen.

Ausfallhonorare

Wird eine Buchung vom Veranstaltungsort innerhalb von 14 Tagen vor der Veranstaltung storniert, muss der Veranstaltungsort ein Ausfallhonorar von 60 % zahlen. Wird die Buchung innerhalb von 48 Stunden storniert, müssen die Performer*innen das volle zugesagte Honorar erhalten. Wenn Performer*innen am Tag der Show krank werden, sollten sie ebenfalls 60% des vereinbarten Honorars erhalten, und eine*r andere gebuchte Performer*in sollte, wenn möglich, mit einer zusätzlichen Show für den abwesenden Künstler*in einspringen.

Für diese zusätzliche Show sollten die restlichen 40% des Honorars der erkrankten Person gezahlt werden. (Dieses System funktioniert nur auf der Basis von Ehrlichkeit und Vertrauen. D.R.A.G. Berlin empfiehlt nicht, Performer*innen zu überwachen, um sicherzustellen, dass sie die Wahrheit sagen. Wenn Performer*innen dieses Vertrauen missbrauchen, werden sie wahrscheinlich das Vertrauen der Veranstalter*innen verlieren.) Performer*innen sollten den Veranstaltungsort oder die Veranstalter*innen informieren, sobald sie merken, dass sie sich nicht in der Lage sehen, aufzutreten (mindestens vier Stunden). Dies ermöglicht es anderen, Vorkehrungen zu treffen, um den abwesenden Performer*innen zu vertreten.

Zahlungsfristen für Honorare

Honorarrechnungen sollten spätestens 14 Tage nach der Performance vollständig bezahlt sein..

Transparenz bei Honoraren innerhalb der Community

Unter Performer*innen gehört der Austausch über Honorare dazu, um faire und sichere Arbeitsbedingungen sicherzustellen. Veranstalter*innen dürfen nicht verlangen, dass über Honorare Stillschweigen bewahrt wird.

Fundraising

Drag hat eine lange und stolze Tradition im Fundraising für wohltätige Zwecke. D.R.A.G. Berlin unterstützt die Praxis, dass Künstler*innen ihre Zeit und ihr Können für Veranstaltungen bereitstellen, die Spenden sammeln, solange niemand Profit aus der Veranstaltung zieht. Die folgenden grundlegenden Bedingungen sollten jedoch eingehalten werden.

3d-Illustration eines Mondgesichts, das den Betrachter anschaut
3d-Illustration eines Mondgesichts, das den Betrachter anschaut
3d-Illustration eines Mondgesichts, das den Betrachter anschaut

Konditionen

Backstage

Veranstalter*innen und Veranstaltungsorte sollten den Performer*innen einen sauberen, trockenen und warmen Backstage-Bereich zur Verfügung stellen, um sich vorzubereiten. Idealerweise sollte dieser Raum auch über einen Spiegel und Platz zum Aufhängen der Kostüme verfügen. Wenn dies nicht möglich ist, sollten die Taxikosten übernommen werden. Dies ist für unsere Branche besonders wichtig, da der öffentliche Raum nachts oft unsicher ist für Personen, die in Drag auftreten oder sichtbar nicht der (binären) Gendernorm entsprechen.

Soundcheck

Wenn möglich, sollte der Veranstaltungsort den Raum für eine Probe mit Soundcheck und innerhalb der technischen Einrichtung kostenlos zur Verfügung stellen.

Vertrags- / Rechnungsstellung / Barzahlung der Arbeit

Die Bezahlung auf Rechnung sollte von den Veranstalter*innen angeboten werden. Aufgrund individueller Umstände kann aber auch eine Barzahlung notwendig sein und sollte eine mögliche Alternative sein.

Werbung

Die Werbung für eine Veranstaltung sollte eine gemeinsame Aufgabe des Veranstaltungsortes bzw. der Organisator*innen und der Künstlerinnen sein. Es liegt jedoch in der Verantwortung der des Veranstaltungsortes bzw. der Organisator*innen, Werbematerial für die Show zu erstellen. Es ist in Ordnung, die Performerinnen zu bitten, Material über deren Kanäle zu teilen, aber es ist nicht ihre Aufgabe, Flyer und anderes Werbematerial zu entwerfen, und diese Verantwortung sollte nicht an sie abgetreten werden.

3D-Illustration eines Zylinderhutes
3D-Illustration eines Zylinderhutes

Abbau von Zugangsbarrieren (für Performer*innen & Publikum) 


Deutschland ist Vertragsstaat der UN-Behindertenrechtskonvention. Nach Artikel 30 dieser Konvention ist der Staat verpflichtet, das Recht von Menschen mit Behinderungen auf gleichberechtigte Teilhabe am kulturellen Leben anzuerkennen. Es müssen alle geeigneten Maßnahmen getroffen werden, um Menschen mit Behinderungen den Zugang zu Fernsehprogrammen, Filmen, Theater und anderen kulturellen Aktivitäten in zugänglichen Formaten zu gewährleisten und um Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, ihr kreatives, künstlerisches und intellektuelles Potenzial zu entwickeln und zu nutzen - nicht nur zu ihrem eigenen Nutzen, sondern auch zum Nutzen der Gesellschaft.

Bisher hat der Staat jedoch keine großen Anstrengungen unternommen, um Menschen mit Behinderungen den Zugang zu Drag zu erleichtern. Veranstaltungsorte und Organisator*innen können jedoch einige Barrieren ohne staatliche Unterstützung abbauen, indem sie der R.A.S.H.-Methode folgt, die von Oozing Gloop skizziert wurde (siehe Ressourcen für die vollständige Präsentation). Wir können die folgenden Strategien anwenden:

Realistisch sein

Ohne öffentliche Unterstützung können wir keine vollständige Barrierefreiheit erreichen. Aber wir können einige Barrieren beseitigen, indem wir umsichtig handeln.

Bewusstsein schaffen

Wir können recherchieren, was barrierefreier Zugang bedeutet und wie er in Drag-Räumen umgesetzt werden kann. Wir können auch offen und empfänglich sein, wenn das Thema angesprochen wird.

Clever handeln

Wir können der großen Tradition von Drag folgen, indem wir mit wenigen Ressourcen etwas Bedeutendes schaffen. Clever handeln bedeutet, umsetzbare Strategien zu finden, die die effektivste Lösung für die Ungleichheiten bieten, mit denen Menschen mit Behinderungen während der Veranstaltung konfrontiert sind. Veranstalter*innen und Veranstaltungsorte können Zugangsinformationen klar und zugänglich gestalten. Zusätzliche Probezeit im Veranstaltungsort für behinderte Performer*innen sollte kostenlos arrangiert werden. Ohrstöpsel z. B. können zu geringen Kosten zur Verfügung gestellt werden und Veranstaltungen, bei denen das Publikum Masken trägt, sind eine weitere Möglichkeit.

Ehrlich sein

Wir können klar kommunizieren, welche Zugangsmöglichkeiten wir bieten können und welche Barrieren in welchem Ausmaß noch bestehen. So können Zuschauer*innen und Performer*innen mit Behinderung informierte Entscheidungen über ihre Teilnahme an der Veranstaltung treffen. Und wir können offen, empfänglich und einfühlsam auf die Anliegen und Frustrationen von Menschen mit Behinderung eingehen.

3d Illustration einer lila Blume
3d Illustration einer lila Blume
3d Illustration einer lila Blume

Solidarität

Veranstalter*innen und Performer*innen haben eine gemeinsame Verantwortung, eine Szene zu fördern, die aktiv daran arbeitet, die Solidarität gegenüber weit verbreiteter Homo- und Transphobie, Sexismus, kapitalistischer Ausbeutung, Rassismus, Ableismus etc. zu stärken. Diese Ablehnung von Herrschaftsideologien muss Teil eines kontinuierlichen und selbstreflexiven Prozesses sein. Wenn ein Anliegen geäußert wird, ist es am besten, zunächst unter vier Augen mit der betroffenen Person oder Gruppe zu sprechen. Es sollte ruhig reagiert, zugehört, ernst genommen und nicht sofort in eine Abwehrhaltung verfallen werden.

Amateur*innen

vs. Teilzeit-

vs. Vollzeitperformer*innen

Amateur*innen vs. Teilzeit- vs. Vollzeitperformer*innen

Amateur*innen

vs. Teilzeit-

vs. Vollzeitperformer*innen

Unsere Branche besteht aus Menschen, die hauptberuflich von Drag leben und damit ihre Miete bezahlen. Andere haben einen Nebenjob in einem anderen Bereich. Und dann gibt es diejenigen, die ihre Phantasie ausleben und ihre kreativen Fähigkeiten entwickeln, während sie ihr gesamtes Einkommen aus einem anderen Job beziehen. Eine florierende Drag-Kultur erfordert eine Kombination all dieser drei Ansätze. Die Zahlung von Mindesthonoraren und die Bereitstellung der empfohlenen Konditionen schaffen eine nachhaltigere und sicherere Branche für uns alle. Alle unterschiedlichen Performer*innen brauchen die gleichen nachhaltigen und sicheren Bedingungen. Jegliche Variation der Mondesthonorare sollte auf dem Veranstaltungsort und seinen Kapazitäten basieren (wie oben beschrieben) und nicht auf Erfahrung oder Position in der Szene.

Wenn du neu in der Szene bist und dir unsicher über ein Honorarangebot oder die Bedingungen, die dir angeboten werden, wende dich bitte an D.R.A.G. Berlin für eine kostenlose Beratung. Wir wollen, dass jeder faire und sichere Arbeitsbedingungen hat. Auch du!

Drag in anderen Branchen/Räumen/Kontexten

Drag-Performer*innen werden zunehmend in andere kulturelle Räume (Theater, Galerien, Werbung etc.) eingeladen. Auch in diesen anderen Räumen müssen die hier aufgeführten Mindesthonorare und Branchenbedingungen eingehalten werden. Das Argument, diese anderen Räume brächten den Drag-Künstler*innen größere Bekanntheit zählt nicht. Wir brauchen keine größere Bekanntheit. Wir brauchen mehr Geld. Drag-Künstler*innen, die in Branchen verhandeln, die für sie neu sind, sollten sie sich Rat holen, bevor sie Honorare oder Bedingungen akzeptieren. Zögere nicht, D.R.A.G. Berlin zu kontaktieren, wenn du dich in dieser Situation befindest!

Neuproduktionen

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